Baulandumlegung

SV Gölshausen 1947 e.V.

Im Oktober 1960 erstellte die Gemeinde Gölshausen einen Bebauungsplan für die Kupferhelle. Zugeteilt wurden die Baupläne im Juli 1962. Auf der Längsseite des Platzes fiel ein Teil des anschließenden vereinseigenen Grundstücks in diese Umlegung. Hier waren direkt entlang der späteren Lortzingstraße zwei Häuser der Ettlinger Baugesellschaft geplant. Sie waren im Bebauungsplan so eingezeichnet, daß Sie den Spielbetrieb nicht störten.

Inzwischen hatte die Ettlinger Baugemeinschaft einen Bauantrag zur Errichtung eines Mehrfamilienhauses neben dem Sportplatz gestellt. Offensichtlich hatten die Verantwortlichen des Vereins dieses Baugesuch nicht richtig angeschaut, denn die Fassade des Gebäudes sollte gerade mal vier Meter vom Spielfeld errichtet werden. Da von keiner Seite Einsprüche kamen, wurde der Bauantrag von der Gemeinde und dem Landratsamt genehmigt. Erst nachdem die Fundamente des Ettlinger Hauses schon gegossen waren, bemerkten am Hausbau beteiligte Mitglieder die Nähe zum Spielfeld.
Im Juni 1963 beauftragte der Verein Herrn Rechtsanwalt Ganter aus Bretten, gegen den Umlegungsplan Widerspruch einzulegen. Begründet wurde dieser Widerspruch mit der Tatsache, daß der zu kleine Platz nun nicht mehr verbreitert werden könne. Außerdem seien mit den Bewohnern des Hauses Scherereien wegen der Nähe zum Spielfeld vorprogrammiert. Obwohl die Einspruchsfrist schon im Mai 1962 abgelaufen war, reagierte die gemeinde mit der " Bildung einer Kommission zur Geländebeschaffung für einen neuen Sportplatz". Gleichzeitig beantragte sie aber hinter dem Rücken des Sportvereins die (vorzeitige) Inkraftsetzung des Bebauungsplanes auf den 01. August 1963 vorzulegen.
Im Juni 1963 bat das Landgericht Karlsruhe die Gemeinde um Vorlage sämtlicher Akten. Da die ganzen Umlegungsakten aber immer noch beim Regierungspräsidium zur Genehmigung vorlagen, konnte dies erst im September getan werden.Der Gemeinderat versuchte sich mit dem Verein zu arrangieren. Er schlug dem Sportverein vor, ein neues Gelände für einen Sportplatz zu beschaffen, wenn der Verein sein gesamtes Grundeigentum an die Gemeinde abgibt. Der Verein stimmte diesem Vorschlag zwar grundsätzlich zu, wollte aber seinen Bauplatz vor dem Sportplatz behalten. Da man sich nicht einigen konnte, kam es am 20.September 1963 zu einer mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht.
Das Ergebnis dieser Verhandlung konnte nicht mehr genau ermittelt werden. Zur Urteilsfindung waren für das Gericht nachfolgende Fragen wichtig:

  • Warum hat die Ettlinger Baugeeinschaft schon zu einem so frühen Zeitpunkt die Baugenehmigung bekommen?
  • Wurde der Auszug aus dem Zuteilungsverzeichnis dem Sportverein rechtzeitig vorgelegt?
  • Warum stand das Ettlinger Haus nicht paralell zur Lortzingstraße, wie im Bebauungsplan eingezeichnet?

 

Offensichtlich hat die Verhandlung ergeben, daß es für beide Seiten das Beste ist, wenn es zu einem außergewöhnlichen Vergleich kommt. Die Gemeinde hatte womöglich die weiteren Bauplätze in der Kupferhelle nicht zuteilen können und der Verein hätte sein Verhältnis zur Gemeindeverwaltung sehr verschlechtert.
Am 11. November kam es zu einer Lagebesprechung im Rathaus. Vorstand Erich Blappert, Kreisfachwart Robert Baumann und Herr Schwörer von der Brauerei Höpfner vertraten die Interessen des Sportvereins gegenüber Bürgermeister Maag und einigen Gemeinderäten. Herr Baumann machte den Vorschlag, daß der Sportverein, trotz des Wohnblocks, auf dem bisherigen Gelände verbleibt. Als Entschädigung müßte der Verein aber ca. 25 -30 Tausend DM erhalten. Baumann würde sich dann dafür einsetzen, daß mit Toto-u. Lottomittel ein Clubhausbau ermöglicht wird.
Noch im gleichen Monat beschloß der Gemeinderat, daß der Verein 20000 DM erhält, wenn er an seinem bisherigen Standort verbleibt. Diese sollten wegen der knappen Finanzlage der Gemeindekasse aber in jährlichen Raten von 1500 DM ausbezahlt werden. Die Vorstandschaft und Mitglieder des Vereines waren mit diesem Vorschlag einverstanden, verlangten aber noch zusätzlich,daß der zweite geplante Wohnblock nicht gebaut wird. Stattdessen sollte dieses Gelände als Park oder Spielplatz genutzt werden.
In der Vereinbarung hieß es dann später, daß das Gelände vom zweiten Wohnblock im Interesse der Allgemeinheit verwendet wird.
Noch im Dezember 1963 beauftragte der Sportverein Gölshausen Rechtsanwalt Ganter, den Widerspruch gegen das Umlegungsverfahren beim Landgericht zurückzuziehen. Der Wert des Streitgegenstandes wurde vom Gericht auf 3000 DM festgelegt. Die Gemeinde lehnte den Antrag des Sportvereins ab, die Prozesskosten voll zu übernehmen.
Die Gemeinde hat dann später ihre " Schulden " beim Verein doch schneller beglichen. Als Anfangskapital für den Clubhausbau hat die Gemeinde, mit Zustimmung des Vereins, dieses Grundsrück vom ehemaligen zweiten Wohnblock im Frühjahr 1965 an den späteren Vorstand Konrad Sturm verkauft und dieses Geld sofort dem Verein zur Verfügung gestellt, im Jahre darauf weitere 2500 DM. Den Rest zu den 20000 DM nahm der Verein als Darlehen auf.

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